MotoLiebeTour 2015: Berlin – Schweiz (Teil 1)

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Meine Motorradtour von Berlin in die Schweiz – 2.734 Kilometer und 7 Zwischenstopps.

Die MotoLiebeTour 2015 führte durch das Erzgebirge, die Schwäbische Alb, den Schwarzwald, den Harz und durch viele weitere schöne Landschaften Deutschlands und der Schweiz.

Die Idee dieser Tour hatte ich bereits seit längerem im Kopf, doch wenn es ums Reisen geht, plane ich ungern. Ich möchte möglichst schnell meine Sachen packen und losziehen. Das Ziel ist klar, die Himmelsrichtung auch, doch der Wege dorthin soll spannend bleiben. Gefällt es mir irgendwo, bleibe ich. Spielt das Wetter nicht mit, warten meine Maschine und ich auf eine gute Gelegenheit die Tour fortzusetzen.

Auf einem Motorrad ist man stärker abhängig von äußeren Faktoren, ich kann mich einer minimalen Planung nicht komplett verwehren. Welche Must-haves für jede Motorradtour mitzunehmen sind, ist klar. Und sonst so?

Wenig Plan & viel Freiheit

Die Planung erfolgte natürlich nicht ohne meinen Freund, der selbst Motorradfahrer ist und eine Suzuki GSX-R fährt. Beide durften mit. Da mein Freund und ich es hassen unsere wunderschönen Motorräder vollzupacken, haben wir auf unseren Touren bisher auf Heck- und Seitentaschen verzichtet.

Um unser Hab und Gut für die geplante MotoLiebeTour 2015 gut zu verstauen und überschaubar zu halten, haben wir uns für insgesamt drei Gepäckstücke entschieden – zwei Rucksäcke und ein Tankrucksack. Keine Handtasche und erst recht keinen dieser Bauchgürtel, die derzeit offenbar wieder hip sind. Das Schwierigste dabei war natürlich, sich nur auf das Nötigste zu beschränken und natürlich hatte ich wieder viel zu viel Kosmetikkram dabei. Immerhin gibt es Duschgel, Shampoo, Zahnpasta und auch Cremes in den praktischen kleinen Größen, die in jedem noch so vollen Rucksack ihren Platz finden.

Da uns ein länger Zwischenstopp im Schwarzwald vorschwebte, haben wir für fünf Tage gepackt. Das heißt, fünf Paar Socken, fünf Shirts, … ein Paar bequeme Straßenschuhe und so weiter. Wir konnten und wollten nicht ständig in unserer kompletten Motorradbekleidung rumlaufen. Nach besagten fünf Tagen, haben wir die Sachen einfach per Hand gewaschen und von der Sonne trocknen lassen. Hat prima funktioniert und ist auf Reisen völlig ausreichend.

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Nur das Nötigste


Ich muss zugeben, dass sich vor Abreise noch ein oder zwei kosmetische Produkte dazu gesellten. Am Ende hatte ich viel zu viele Cremes dabei, aber keine Sonnencreme…

Pension- & Hotelsuche

Das Einzige was wir geplant haben (oft erst am Abend vor der Weiterreise), war die nächste Station unserer Tour. Wir hatten es recht eilig in die Schweiz zu kommen und verweilten daher oft nur einen Tag ab gleichen Ort. Die nächste Unterkunft haben wir zumeist erst am Vormittag des gleichen Tages reserviert. Leider verstecken sich die privaten und oftmals günstigeren Pensionen im World Wide Web oder die interessanten Infos, wie Zimmerpreise und Verfügbarkeit, waren bis zu fünf Klicks entfernt.

Wir haben daher unsere Unterkünfte fast ausschließlich über bekannte Buchungsseiten wie Booking.com oder HRS gebucht. Beide Seiten verfügen über eine große Datenbank an Unterkünften und haben recht gute Angebote, die sich zum Teil überschneiden. Um unser Sparschwein möglichst zu schonen und dennoch eine attraktive Bleibe zu finden, haben wir unsere Unterkünfte nach folgenden Kriterien ausgesucht:

  • Günstiger Preis – klare Sache!
  • Frühstück inklusive – Frühstück an Ort und Stelle ist bequem und praktisch, vor allem, wenn man noch am gleichen Tag abreisen möchte; Frühstück gegen Aufpreis ist oft überteuert
  • Zentrumsnähe – nach einer langen Tour möchte man sich eigentlich nur noch aus der Motorradkluft pellen und ein wenig zu Fuß unterwegs sein
  • Parkplatz (wird von Hotels leider nicht immer kostenlos angeboten) – erspart einem das lange Suchen nach einer geeigneten Parkmöglichkeit
  • WLAN – für die Recherche nach weiteren Zwischenstopps und Unterkünften unverzichtbar

Oft haben unsere Unterkünfte nicht alle Kriterien erfüllt, aber schließlich reichen am Ende des Tages eine Dusche und ein Bett. .

Natur und Kurven im Erzgebirge

Die erste Station der Tour befindet sich im Erzgebirge und ist die höchstgelegene Stadt Deutschlands namens Oberwiesenthal. Oberwiesenthal befindet sich im Süden von Sachsen, unweit der tschechischen Grenze und ist ein staatlich anerkannter Kurort und besonders beliebt bei Wintersportlern. Der am Fuße des 1215 Meter hohen Fichtelbergs gelegene Ort beherbergt mehrere Schanzen und Abfahrtshügel.

Das Wahrzeichen von Oberwiesenthal und zugleich älteste Seilschwebebahn, ist die Fichtelberg Schwebebahn, die direkt neben der Ski-Lift-Anlage steht. Auf dem Fichtelberg hat man einen schönen Ausblick auf Oberwiesenthal und die umliegenden Berge. Von hier aus starten mehrere Wanderwege. Vor Ort befinden sich ein Restaurant und ein Imbisslokal.

Von Oberwiesenthal aus fährt ein Dampfzug, die sogenannte Fichtelbergbahn, bis nach Cranzahl und ermöglicht eine Erkundung des Ergebirges von Süd nach Nord.

Unsere Weiterfahrt durch Tschechien war ein erster Vorgeschmack auf das, was uns wohl in der Schweiz erwarten würde. Nachdem wir eher gemächlich durch die langgezogenen Kurven des Erzgebirges fuhren, war an dieser Stelle das erste Mal fahrerisches Geschick angesagt. Richtigen Gang wählen, bloß nicht zu hoch. Rechtzeitig vor der Kurve abbremsen. Den Berg runter im kleinen Gang das Bremsen dem Motor überlassen. Auf Schräglage verzichten. Hier hatte ich das erste Mal Herzklopfen, denn ich bin eher ein Flachlandfahrer und keine steilen Kurven gewöhnt. Auch noch nach Jahren der Fahrpraxis kommt man immer wieder in Situationen, die völlig neu sind und diese gilt es zu meistern.

Übrigens: Motorräder brauchen in Tschechien keine Vignette.

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Unterwegs


Kurz vor dem Erzgebirge legten wir eine Pause ein. Zeit für ein Fotoshooting. Et voilà!

Oh, du schönes Rothenburg

Ich habe schon viele schöne Fachwerkstädte gesehen, aber Rothenburg ob der Tauber in Mittelfranken (Bayern) ist wohl die schönste in ganz Deutschland. Jedes Haus ist ein kleines Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst. Schön bunt und mit vielen Blumen geschmückt, reihen sich die Fachwerkhäuser dicht an dicht fast endlos in der Innenstadt aneinander, umgeben von einer fast vollständig erhaltenen Stadtmauer.

Die Stadtmauer selbst ist begehbar und ermöglicht einen tollen Ausblick auf Rothenburg und über die Mauern hinweg. Vielen blieb diese wunderschöne Stadt natürlich nicht verborgen, daher tummeln tagsüber viele Touristen im Zentrum umher. Besonders beliebt ist der Weihnachtsladen von Käthe Wohlfahrt.

Unsere Tour vom Erzgebirge nach Rothenburg war heiß. Das Thermometer war an diesem Tag über dreißig Grad geklettert und wir sind, wie fast immer, in voller Lederkluft gefahren. Es war bislang der heißeste Tag der Tour. Angekommen, waren wir umso glücklicher, dass unsere am Vortag gebuchte Privatzimmer direkt im Zentrum war. So direkt, dass wir sie sogar später auf einer Postkarte in einem Souvenirshop entdeckt haben.

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Rothenburg ob der Tauber


Unser Privatzimmer befand sich in einem der hübschen Häuschen auf der rechten Seite. Jackpot!

Biker-Paradies Schwäbische Alb

Das knapp 200 Kilometer lange Mittelgebirge, dessen Fläche sich über Baden-Würtemberg und Bayern erstreckt, besticht durch seine kurvigen und gut asphaltierten Straßen. Es ist ein Träumchen hier Motorrad zu fahren und daher vielleicht kein Zufall, dass wir kurz vor Ankunft bei unserer Unterkunft in Römerstein in eine Polizeikontrolle gerieten. Aber alles halb so dramatisch, auch wenn es meine erste polizeiliche Kontrolle überhaupt gewesen ist. Die Jungs waren sehr nett und schließlich hatten wir alle Papiere parat und die TÜV-Plakette auf meiner Maschine erst nagelneu, sodass wir binnen weniger Minuten weiterfahren konnten.

In der Schwäbischen Alb bezogen wir ein Zimmer eines kleinen Hotels in der Nähe von Bad Urach. Von hier aus ging es durch die kurvigen Berge in die anliegen Städten um ein wenig dem Sightseeing zu frönen.

Gleich am nächsten Tag wollten wir einen Zwischenstopp bei der Burg Hohenzollern einlegen. Leider konnten wir nur ein paar Endrücke aus der Ferne sammeln, da an diesem Tag Dreharbeiten für einen Film stattfanden und die Burg für Besucher gesperrt wurde. Was ärgerlich war, da ich mich auf einen Besuch der Burg total gefreut hatte und wir zuvor 30 Minuten lang einer Umleitung folgen mussten um am Ende vor einer Absperrung zu landen. Schade, schade.

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Burg Hohenzollern


Meine Gladius vor märchenhafter Kulisse.

Nebenstrecken und rodeln im Schwarzwald

Wie bereits vorab geplant, verweilten wir ein paar Tage im Südschwarzwald. Genauer gesagt, beim Vater meines Freundes, der in der Nähe von Lörrach arbeitet. Unser täglicher Spurt von Berlin in den Süden hatte vorerst sein Ende genommen. Es war wirklich Zeit sich ein wenig auszuruhen. Daher war ich einige Male als Sozia unterwegs.

Meine Gladius ist Aufgrund der Sitzhaltung, der durchgehenden Sitzbank und der guten Federung besser für Abstecher in steinige Straßen geeignet als die Rennmaschine meines Freundes. Und wir hatten Lust mal gemeinsam die Nebenstrecken auszukundschaften.

Zu meiner Überraschung, waren selbst die kleinsten Straßen im Schwarzwald zwar eng gebaut, aber bestens asphaltiert. An einigen Stellen fanden wir Holzbänke und sogar Grillplätze vor, die zum Verweilen einluden und wo wir die tolle Aussicht ins Tal genossen. Die kleinen Straßen schlängeln sich von Berg zu Berg, durch ruhige Täler und viel Grün. Es war kaum Verkehr auf den Straßen. Herrlich.

Highlight der Touren war ein Besuch der Burgruine Rötteln nahe des Lörracher Ortsteils Haagen. Die Höhenburg ist gut erhalten und beherbergt ein kleines Museum. Von zwei Türmen aus hat man einen weiten Blick auf den Schwarzwald und Lörrach.

Um auch kulturell nicht zu kurz zu kommen, besuchten wir das VitraHaus und das Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Weil verdankt Vitras Flagshipstore den Spitznamen „Stadt der Stühle“. Hier kann man den ganzen Tag verweilen und sich für die Einrichtung des eigenen Heims inspirieren lassen und klassische und zeitgenössische Möbel und Objekte bestaunen.

Der Schwarzwald zieht jeden Winter Skifahrer, Snowboarder und Rodler an. Rodeln kann man jedoch auch im Sommer, auf der Sommerrodelbahn in Gutach. Die Bahn ist ganze 1150 Meter lang. Daher ist es kein Wunder, dass das Interesse groß ist und es in der Ferienzeit von Wartezeiten von bis zu vier Stunden kommen kann.

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Burgruine Rötteln


Hier haben wir vor allem den Ausblick ins Grüne genossen, viele Fotos geschossen, das Museum besucht und im anliegenden Biergarten eine kleine Mahlzeit zu uns genommen.

Ankunft & lehrreiche Runden in der Schweiz

Ziel der letzten Etappe war Sarnen am Sarner See. Die Fahrt war bis zum Ziel wenig kurvig. Irgendwie hatte ich erwartet, dass uns direkt an der Grenze die berühmten schneebedeckten Schweizer Berge erwarten würden. Stattdessen fuhren wir gemächlich und auf breiten Straßen dem südlichsten Ziel unsere gesamten Motorradtour entgegen.

Da wir nur einen Tag in der Schweiz geplant hatten – die Schweiz ist einfach unglaublich teuer – sind wir von Sarnen aus, nach nur einem kurzen Stopp bei unsere Unterkunft, in Richtung Interlaken gefahren. Der kurze Ausflug nach Interlaken hat mich eine neue Definition des Begriffs „kurvig“ gelehrt. Die etwa 50 Kilometer lange Strecke von Sarnen nach Interlaken war bislang der abenteuerlichste Straßenverlauf meines Lebens.

Zwischen zwei hohen Bergketten, sattgrünen Wiesen und aquamarinfarbenen Seen, schlenkerten wir uns durch die Berge. Ich konnte mich an der Umgebung nicht satt sehen, doch leider mussten wir bereits am nächsten Tag die Rückreise antreten.

Achtung: Motorräder müssen, um sämtliche Straßen der Schweiz befahren zu können, Maut zahlen. Man kommt jedoch auch gut ohne vignettenpflichtige Straßen voran.

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Brienzer See


Der östlich von Interlaken gelegene See umrahmt von Bergen.

Erstes Fazit der MotoLiebeTour 2015

Schon am zweiten Tag der Reise hatte ich bereits ein paar Tour-Optimierungen im Kopf. Man tut etwas und weiß es hinterher besser. Wie immer eigentlich im Leben:

  • Hinfort mit dem Schminkzeug – ich hatte die meiste Zeit einen Helm auf und habe es schlichtweg aufgegeben mich bei der Hitze zu schminken
  • 250 Kilometer Tagestour sind mein absolutes Maximum – wenn man die Strecke nicht kennt, ist man automatisch doppelt so aufmerksam, das schlaucht ungemein und man verliert allmählich die Konzentration beim Fahren
  • Die Schweiz ist nichts für Anfänger – die Kurven sind zum Teil wirklich furchteinflössend und nur mit ausreichender Praxis im Kurvenfahren zu meistern

>> Zum 2. Teil der MotoLiebeTour 2015

Andrea|MotoLiebe
Geschrieben von Andrea|MotoLiebe
Kopf & Herz von MotoLiebe
Kommentare

5 Kommentare zu “MotoLiebeTour 2015: Berlin – Schweiz (Teil 1)

  1. Sehr schön geschrieben, ich muss gleich mal wieder elos und eine Runde drehen. Zum Glück habe ich es nicht so weit bis zur nächsten Kurve, hier in den Weinbergen zwischen Eifel, Hunsrück und Co.

  2. Einen Ausrüstungstip habe ich auch gleich parat! Beim dm gibt es faltbare Reisezahnbürten um kleines Geld. Die passt immer noch irgendwo mit hinein und stochert nicht so aus dem Necessaire raus. Und dann nehme ich auch noch eine kleine Packung Abschminktücher mit. Die nimmt auch keinen Platz weg und erfrischt auch noch schön das Gesicht abends.
    Schminkzeug nehme ich auch weiterhin mit, denn ohne die Basics geht gar nichts. :)
    So viel Platz nehmen die Dinge, die ich brauche auch nicht weg, es ist nur ein flüssiger Eyeliner, die Maskara, ein Abdeckstift und ein flüssiges Make Up. Der Augenbrauenstift ist der Rest eines alten, der ist so klein, daß er nicht groß aufträgt.

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