MotoPorträt #4 – Gaby On The Road

MotoLiebe • MotoPorträt No 4 – Gaby On The Road

Gaby hat die schönsten Motorradstrecken direkt vor der Haustür und fährt am liebsten zu den umliegenden Bergregionen. Immer mit dabei: ihre BMW F800R und Abenteuerlust.

Aufgewachsen im Westerwald, zieht es Gaby (44) von Koblenz aus zu den höchsten Bergen. Vom Mofa bishin zur ausgewachsenen Maschine ist sie alles gefahren, was zwei Räder hat. Allein oder in der Gruppe – Gaby schätzt beides.

Anspruchsvolle, kurvige Straßen sind ihr Ding. Allein mit dem Motorrad und ohne Navi, erkundete sie im Herbst 2014 die Gegend vom Bodensee bis hinauf zur Zugspitze. Gaby liebt die Ruhe, die wechselnde Vegetation und die frische Luft.

Mit ihrer jahrelangen Erfahrung im Motorradfahren kann ich nicht mithalten. Bei meiner ersten Begegnung mit abwechselnd hohen Steigungen und starkem Gefälle, kam ich ins Schwitzen. Nach meiner Motorradtour von Berlin in die Schweiz musste ich mir eingestehen: ich bin ein Flachlandfahrer! Gaby und ich teilen jedoch ein gemeinsames Schicksal – kurze Beine! Kein Grund sich vor schwierigem Gelände zu scheuen. Gaby ist der Beweis!

Pack deine Klamotten, setz dich auf deine Kiste und fahre einfach der Nase lang. Jeder Kilometer zählt und bereichert dich!

Wer oder was hat dich zum Motorradfahren inspiriert?

Die Sommerferien verbrachte ich sehr oft zusammen mit meinem Cousin bei den Großeltern. Dort erschien eines Tages mein Onkel mit seiner großen BMW. Er packte uns auf sein Motorrad und fuhr mit uns durchs Dorf. Das war so gegen Ende der Siebziger. Helm und Schutzkleidung waren damals noch überbewertet! Wir Kids hatten so einen Spaß – der Wind um die Ohren und irgendwie viel cooler als Fahrradfahren. Da kamen so die ersten Gedanken, dass ich das auch machen will, wenn ich groß bin. Unser Onkel brauchte sich ohne Motorrad gar nicht mehr blicken lassen! (lacht)

Das waren die Anfänge. Mit 15 gab es dann ein Mofa, mit 16 das Mopped. Mit 18 die Anmeldung zu den Klassen 1 und 3. Theorie schaffte ich auf Anhieb, die Praxis wollte ich wegen Geldmangel später machen. Leider hatte ich mich zu spät für die Praxis angemeldet und so schlummerte zunächst der Traum weiter vor sich hin.

An meiner Wand hing ewig das Poster einer GPZ, die Kiste wollte ich irgendwann mal haben! Plötzlich kam der 30ste Geburtstag immer näher und mein Ziel war es, endlich den Lappen in den Händen zu halten. Mit 28 hab ich dann endlich das ganze Programm ratzfatz durchgezogen.

Welche Ereignisse aus deiner Fahrschulzeit sind dir bis heute in Erinnerung geblieben?

Dazu gehört definitiv der erste Spruch meines Fahrlehrers: „Egal was du machst, rechne immer mit der Dummheit der anderen!“ Dieser Spruch hat mich mehrmals vor Schlimmerem bewahrt. Den gab ich auch meinem Sohn mit auf den Weg, als er mit dem 125er-Schein anfing.

Ansonsten war die Fahrschulzeit eher unspektakulär, abgesehen davon, dass der Fahrlehrer ein Mal vergaß mir den Fahrschul-Nierengurt zu geben. Er sammelte zudem meine verloren gegangenen Haargummis ein, während ich aus seinem Funkbereich fuhr. (lacht)

Meine Prüfungsfahrt war Ende Oktober, im strömenden Regen. Bei dieser Prüfungsfahrt blieb das erste Mal der letzte Pylon beim langsamen Slalom stehen.

Welcher Song beschreibt deinen Fahrstil am besten? Born to be wild?

Hmm, da denk ich noch ein bisschen drüber nach. Das Lied ist mir zu Mainstream, den Film finde ich absolut doof! Aber ich hatte die Frage in meinen Bekanntenkreis gestellt. Die Ergebnisse waren zum schießen. (lacht)

Ich bin, was meinen Fahrstil angeht, sehr flexibel oder besser: anpassungsfähig. Wenn eine Blümchenpflücker-Tour ansteht, macht mir das genauso viel Spaß wie eine zügigere Fahrt – kommt auf die Tagesform an.

Ich muß zugeben, dass ich gerade bei längeren Anfahrten gerne Musik auf dem Ohr habe. Da läuft allerdings etwas härtere Musik, zum Beispiel Queen. „Ride the Wild Wind, Twisted Sister… Ride to Live“ oder „Freewheel Burning“ von Judas Priest.

Du fährst eine F800R. Warum fiel deine Wahl auf ein Motorrad der Marke BMW?

Die Frage habe ich mir auch schon öfter gestellt. Sicherlich nicht wegen der Marke! Da muss ich etwas ausholen.

Ich bin nicht sooo groß und dazu noch mit kurzen Beinen bedacht worden. Das Problem kennen sicher einige. Nach acht Jahren GSXR und Stummellenker dachte ich, ich müsste ruhiger werden und suchte nach einer brauchbaren, touren-tauglichen Kiste.

Bisher musste ich alle meine Moppeds tiefer legen, die F800R war die erste Maschine, auf die ich so passte und mich auch direkt wohl fühlte. Mir reicht es mittlerweile, wenn ich mit einem Vorfuß Bodenkontakt habe. Beim Fahren blieb das gute Gefühl, von der Optik her fand ich sie auch ganz gut. Also wurde sie meine! (grinst)

Nach rund 1500 Kilometern hatte ich mit meiner BMW einen kleinen Getriebeschaden, aber mittlerweile mögen wir uns sehr.

Bist du schon auf anderen Motorrädern gefahren?

Abgesehen von meinen eigenen Motorrädern, bin ich eine mal GPZ500S gefahren – die aus meinen Träumen. (grinst) Dicht gefolgt von einer SV650S. Danach die GSXR 750 und nun die F800R. Ich durfte zudem auf einigen anderen Motorrädern, die eine oder andere Runde drehen. Da war alles dabei, soweit meine Körpergröße beziehungsweise Beinlänge es zuließen. In bleibender Erinnerung blieben die MZ Baghira, eine XT im Mallorca-Urlaub, eine Aprilia Pegaso auf Teneriffa – ein geiles Teil – und diverse Werkstatt-Moppeds.

Welches Modell wäre dein absolutes Traummotorrad und könnte es auch mal ein Chopper sein?

Mein aktuelles ist immer mein Traummotorrad! Wobei… mehr Rumms dürfte die F schon haben. Ich rede mir jedoch immer ein, dass ich nun älter bin und ruhiger werden muss. Vielleicht glaube ich selbst irgendwann mal daran. (lacht)

Ein Chopper käme mir nur in die Garage, wenn ich mal blind werde und es nur noch auf den Sound ankommt. Obwohl mir bewusst ist, dass ich bei solch einem Modell endlich die Frage des Fuß-Boden-Kontaktes überflüssig wäre. Aber ich mag das ganze Chrom-Gedöns und das damit verbundene Putzen nicht! Ich will fahren und nicht putzen. (lacht)
Ernsthaft, ich kann es nicht genau definieren warum ich eine Abneigung gegen Chopper habe.

Was war das letzte, das du für dich und dein Motorrad gekauft hast?

Ein italienischer Designer-Hinterreifen in Meran. Das war bei der letzten Dolomiten-Tour im Herbst einfach nötig geworden. Nachdem ich bei der Abfahrt des stellenweise schneebedeckten Gaviapass diverse Gripp-Probleme hatte und erschrocken feststellen musste, dass es nicht nur am Schnee lag. Am nächsten Tag ging es zum Shoppen in die Stadt. (lacht) Ich war wirklich erstaunt, wie problemlos und zackig der Reifenwechsel vonstatten ging. Das das Gummi auch noch günstiger war, muss ich nicht erwähnen, sonst fahren alle zum Reifenwechseln nach Bella Italia.

MotoLiebe • MotoPorträt No 4 • Interview mit einer Motorradfahrerin • Gaby am Sellajoch in den Dolomiten
Gaby am Sellajoch in den Dolomiten

Welche Länder würdest du gern mit dem Motorrad bereisen?

Oh, da steht noch einiges auf meiner To-do-Liste. Demnach muss ich 165 Jahre alt werden! (lacht) Nachdem ich das Stilfser Joch bezwungen habe – und etwas enttäuscht war – obwohl enttäuscht ist hier nicht der richtige Ausdruck. Ich verstehe den ganzen Hype darum nicht. Da gab es wesentlich schönere und anspruchsvollere Strecken in näherer Umgebung! Nun sind die nächsten Punkte dran.

Ganz oben steht auf jeden Fall die Transfogarasche Hochstraße in Rumänien. Norwegen finde ich ganz interessant. Ein Stückchen die Route 66 entlang – nicht mit einem Chopper – Argentinien, Bolivien, Peru- Rallye Dakar lassen grüßen! Ich bewundere die Teilnehmer der Rallye zutiefst. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, auf deren Spuren zu fahren.

Ehrlich gesagt, muss ich nicht weit in die Ferne schweifen, wir haben hier in Deutschland und angrenzenden Staaten so viele tolle Regionen!

Leder oder Textil – welches Material ist dein Favorit bei der Klamottenwahl?

Momentan ist Textil angesagt, wobei ich auch diverse Lederjacken und Lederhosen im Schrank habe. Kommt auf das Wetter, die Lust und Laune an. Der Schrank ist voll. Ich mixe auch gerne Lederhose mit Textiljacke.

Was würdest du jungen Motorradfahrerinnen gern mit auf den Weg geben?

Immer mit der Dummheit der anderen rechnen. Lasst euch nicht durch Umfaller oder blöde Sprüche entmutigen. Fahre, wenn es dir Spaß macht und deine Seele befreit. Lass es sein, wenn du es nur machst um es irgendwem zu imponieren, aber es jedesmal eine Qual für dich ist!

Mach ein Fahrtraining – das schadet nie. Mach ein Techniktraining – das schadet auch nie! (lacht)

Pack deine Klamotten, setz dich auf deine Kiste und fahre einfach der Nase lang. Jeder Kilometer zählt und bereichert dich!

Und ganz wichtig: Lass niemals deinen Mann oder Freund in irgendwelchen Foren fragen, welche Maschine für dich die richtige wäre! Da könnte ich jedes Mal heulen.

Weitere MotoPorträts – Motorradfahrerinnen im Interview:
>> MotoPorträt #1 – Interview mit MotoMinya
>> MotoPorträt #2 – Philosophieren mit Polly
>> MotoPorträt #3 – Sandra & ihre Bikes
>> MotoPorträt #5 – Gschichtn Erzählerin Kathinka
>> MotoPorträt #6 – Tina und ihre Dirtgirls
>> MotoPorträt #7 – Sandra & MF Veterano

© Die für den Artikel verwendeten Fotos wurden mit freundlicher Genehmigung von Gaby zur Verfügung gestellt.

Andrea|MotoLiebe
Geschrieben von Andrea|MotoLiebe
Kopf & Herz von MotoLiebe
Kommentare

4 Kommentare zu “MotoPorträt #4 – Gaby On The Road

  1. Das ist echt spannend zu lesen, wie und wann andere zu unserer schönen Passion gekommen sind. Was auffällt ist, daß oft der Wunsch, oder die Idee schon ganz lange da gewesen ist, aber es dann zuweilen noch etwas gedauert hat, bis es endlich losgegangen ist.
    Weiter so!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *