MotoPorträt #7 – Sandra und MF Veterano

MotoLiebe • MotoPorträt No 7 – Sandra und MF Veterano

Der Duft von Öl und Leder liegt in der Luft, die spitzen Nieten blinken, es wird gegrölt und gejault. Ist das die Welt von Sandra, Mitglied des MF Veterano?

Als ich das erste Mal in Sandras Blog stöberte, stieß ich auf Namen „Veterano“ mit dem ominösen Kürzel „MF“ davor. Schon kamen mir die wildesten Bilder in den Sinn. Motorradclub. Nee… MF Veterano. Motorrad-FREUNDE Veterano also! Das klingt doch nett. Oder werde ich dieses Mal eine harte, waschechte Rockerbraut interviewen?

Das erinnert mich an die erste Reaktion meines Vaters, als ich ihm unterbreitete, dass ich dabei bin den Motorradführerschein zu machen. „Meldest du dich dann bei einem dieser Motorradclubs an, den Hells Angels oder wie die heißen?“, fragte er mich. Nichts wie ungut Jungs, falls ihr mitlest, aber meine Anwort war eindeutig: „Ach Vati, bei denen darf ich höchstens mal mit hinten drauf sitzen oder eher noch, dass sie mich auf die Straße zum Arbeiten schicken.“ Was habe ich gelacht.

Zurück zu Sandra. Sandra (45) wohnt in einem kleinen Dorf unweit des Harzes, zwischen Braunschweig und Halberstadt. Anders als ich, hier in Berlin, hat sie die Natur und die Landstraßen direkt vor der Haustür. Neben ihrer FZS 600 (BJ April 2003), ihrem „Eng’lchen“, nennt Sie seit Kurzem eine FZ 1 Fazer (BJ Juni 2006) ihr Eigen. Sie ist – neben der Tatsache, dass sie es idyllisch und friedlich mag – eine treue Seele. Ihr Herz schlägt für die Fazer. Dieser Liebe ging ich auf die Spur und konnte Sandra zudem ein paar Tipps entlocken, und wie das so ist, mit den Rockern vom MF Veterano.

Die Bikerszene, wo ich unterwegs bin, ist für mich zu einem wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden.

Du und dein blaues „Eng’lchen“ seid schon fast 13 Jahre ein Team. Was macht deine Fazer für dich so besonders?

Jetzt muss ich nachdenken, denn es gibt so viele Dinge, die mich an der kleinen Maschine faszinieren und mich stolz machen. In erster Linie ist es wohl die Zuverlässigkeit und die Agilität, die die Maschine in sich vereint. Die Fazer hat dato 148.000 Kilometer aufm Tacho – und es ist noch lange nicht Schluss.

Sicher, die einen oder anderen Zipperlein kommen langsam dazu, aber wenn man sie fürsorglich behandelt, sprich: ordentlich warmfahren, regelmäßige Wartungen und Reparaturen und so weiter, dann stehen weiteren 100.000 Kilometer sicherlich nichts im Wege. Angepeilt sind auf jeden Fall erstmal die 200.000 Kilometer – und die schaffen wir auch (lächelt zuversichtlich).

Wie viele Kilometer stehen mittlerweile auf dem Tacho und welche davon waren bisher die schönsten?

Derzeit sind es – über den Daumen gepeilt – 148.000 Kilometer. Und die Saison ist noch im Gange… da wird noch was gehen. Die schönsten Kilometer habe ich in Italien, in den Dolomiten, verbracht. Inzwischen war ich drei Mal dort und jedes Mal war es ein Genuss für mich, mit der Fazer durch die Serpentinen und Tornanti zu flitzen.

Du wohnst ganz in der Nähe vom Harz. Welche ist deine absolute Lieblingsstrecke durch den Nationalpark?

Absolute Lieblingsstrecken habe ich im Grunde nicht. Ich sehe meistens zu, dass ich eher die kleineren Straßen durchkurve. Welche Strecken aber schön zum Schwänzeln sind:

  1. Stiege – Allrode – Wienrode – Blankenburg
  2. Netzkater – Hasselfelde
    … Wobei man hier sagen muss, dass hier eben auch viele Autos unterwegs sind und die Gemeinden dort Huckel auf die Straße gebaut haben, die den Verkehrsfluss regulieren sollen.
  3. Tanne (L98) – Wernigerode

Liebäugelst du ab und an mit einem neuen Motorrad? In welches Modell könntest du dich auch verlieben?

Emotional gesehen will ich gar kein anderes Motorrad fahren. Aber rational betrachtet werde ich mich mit dem Gedanken früher oder später sicherlich anfreunden müssen, denn die Fazer wird nicht jünger und die vielen Kilometer, die sie schon runter hat, tragen ja auch nicht unbedingt zum Erhalt bei.

Natürlich habe ich mich schon mal ein wenig auf dem aktuellen Markt umgesehen.
Bedingt durch meine Körperstatur – 162 kurz und Stummelbeinchen – ist leider nicht jede Maschine, die mir im ersten Moment gefällt, auch für mich fahrbar. Dennoch habe ich mittlerweile sogenannte Favoriten herausgearbeitet:

  1. Yamaha FZ1 – Sporttourer mit Halbverkleidung
  2. Kawasaki Z1000SX – Sporttourer mit Halbverkleidung
  3. Kawasaki Versys 1000

Du bist Mitglied des MF Veterano. Wie kam es zu deiner Entscheidung einem Motorradclub beizutreten?

Ich habe schon seit Anfang an immer mit Clubs geliebäugelt. Doch in meinem Freundeskreis gab es Niemanden, der sich dort auskannte. Erst, nachdem ich schon sechs Jahre mit dem Motorrad gefahren war, kam ein Kumpel dazu, der mich dann einfach mal zu einem kleineren Bikertreffen mitgenommen hatte. Da wurde der Grundstein gelegt. (lächelt)

Die Entscheidung, zu den Veteranos zu gehen, kam erst einige Zeit später. Man hat vorher auf vielen, verschiedenen Treffen schon gemerkt, dass man a) immer zugleich anwesend war und b) man sich gut verstanden hat. Dass man auf einer Wellenlänge liegt. Die Bikerszene, wo ich unterwegs bin, ist für mich zu einem wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden. Und die Veteranos sind meine Familie, auf die ich stolz bin.

Das Logo des MF Veterano ist ein wild gewordener Bulle. Wie wild sind deine Clubschwestern und -brüder wirklich?

Furchtbar wild sind sie. (lacht) Der Club lehnt sich ja an das Getränk „Osborne Veterano“ an. Dort ziert ein schwarzer Stier das Label. Da dieses natürlich nicht zu nehmen war, gestaltete man es ein bisschen um und heraus kam das jetzige Logo beziehungsweise Color.

Um aufs „wild“ nochmal zu sprechen zu kommen: wir Veteranos sind verträgliche Leute. Wir arbeiten alle und wir wollen, wenn wir unterwegs sind, Spaß haben – aber keinen Stress. Wild werden wir nur, wenn jemand unserer Familie und Freunden Ärger bereitet. „Wild werden“ darf man aber bitte nicht so verstehen, dass wir dann Demjenigen was auf die Nase hauen. Nein, etwaige Streitigkeiten werden vernünftig und diplomatisch geregelt.

2012 hattest du einen Motorradunfall. Inwieweit hat sich deine Fahrweise seitdem verändert?

Ich bin seitdem noch umsichtiger geworden. Es war mein erster Unfall mit dem Motorrad und es soll nach Möglichkeit auch mein Letzter bleiben. Meine Fahrweise ist sicherlich auch etwas defensiver geworden. Da ich mit der linken Körperseite auf dem Asphalt aufgeschlagen bin, hat mein Kopf seit dem Tag ein Problem mit Linkskurven.

Ab einer gewissen Neigung stellt sich bei mir eine Blockade ein. Ich weiß darum und ich arbeite daran, indem ich mich selbst immer wieder dieser Blockade stelle, indem ich verschiedene Fahrstile ausprobiere. Jetzt, quasi drei Jahre später, habe ich das recht gut verarbeitet… Aber die Zeiten, wo ich das Messer zwischen den Zähnen hatte, sind definitiv vorbei.

Deine Motorradtouren sind oft länger als 1-2 Tage. Welche Tipps hast du fürs Packen?

Hier kommt es in erster Linie drauf an, wo und wie man nächtigt. Wenn man so eine Zeltratte ist wie ich, dann ist es sinnvoll, weniger mitzunehmen. Der meiste Platz wird alleine durch Zelt, Isomatte und Schlafsack in Anspruch genommen. Es ist daher durchaus zu empfehlen, einen Tankrucksack mitzunehmen, in dem man dann die wichtigen Dinge wie Kartenmaterial, Trinkflasche, Ladekabel, vielleicht eine kleine Werkzeugtasche und eventuell – je nach Wetterlage – einen dünnen Pulli zum Drunterziehen verstauen kann.

Bei längeren Touren hat sich bei mir das Koffersystem bewährt. Natürlich sind die im ersten Moment teurer als die handelsüblichen Gepäcktaschen. Dafür hat man aber feste Unterbringungsmöglichkeiten, die nicht im Laufe der Jahre ausleiern und vielleicht auf dem Auspuff ein Nickerchen machen. Nächster Vorteil von Koffern ist, dass man – wenn man mal Sightseeing macht – die Jacke, Handschuhe und den Nierengurt gut verstauen kann, so dass man bei warmen Wetter sich nicht tot schwitzt.

Welche Motorradtouren hast du in diesem Jahr geplant?

Tourenplanung für dieses Jahr: Urlaub in Tschechien. Das hat sich ganz spontan ergeben, da ich – obwohl ich erst vor Kurzem den Arbeitgeber gewechselt habe – zwei Wochen Urlaub bekommen habe. Ansonsten stehen weiterhin Wochenendtouren an, wenn das Wetter mitspielt. Eine feste Planung gibt es jedoch nicht. Wir fahren frei Schnauze.

Wo siehst du dich und deine Fazer in 10 Jahren?

Immer noch zusammen auf der Straße unterwegs. Schön wär’s ja, aber ich bin realistisch und denke, dass ich in 10 Jahren ein anderes Motorrad fahren werde. Aber: ich werde die Fazer nicht hergeben. Sie wird nackisch gemacht (sprich, sämtliche Flüssigkeiten raus), sorgsam aufpoliert und dann ab ins Wohnzimmer mit ihr. „Eng’lchen“ ist mein erstes Motorrad. Sie ist ein „treues Miststück“, wie ich sie auch liebevoll nenne. Doch aufgrund der vielen schönen und teilweise auch unschönen Erlebnisse mit ihr, werde ich sie weder verkaufen noch verschrotten. Bezeichnen wir das einfach als so ne Art „Frauending“. (lacht)

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© Das für den Artikel verwendeten Fotos wurden mit freundlicher Genehmigung von Sandra zur Verfügung gestellt.

Andrea|MotoLiebe
Geschrieben von Andrea|MotoLiebe
Kopf & Herz von MotoLiebe

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Kommentare

9 Kommentare zu “MotoPorträt #7 – Sandra und MF Veterano

  1. Toller Bericht, 200000 KM ist auf jedenfall nicht wenig :-) Ich habe auf meine Insgesamt 3 Mopeds zusammen wahrscheinlich nicht mal 100.000 KM gefahren. Aber die Idee das Motorrad ins Wohnzimmer zu stellen finde ich nicht schlecht.

    Gruß Tobias

  2. Mit Sandra zu fahren ist eine tolle Sache! Man kann auch eine Menge lernen. Ich habe meinen Motorradführerschein im September 2013 gemacht. Und wenn sie auch sagt, dass sie das Messer nicht mehr zwischen den Zähnen hat – dabei ist es auf jeden Fall! Kurzum, es macht jede Menge Spaß mit ihr mal eben zur Eisdiele zu bügeln aber auch genau so, mit ihr zu einem 300 km entfernten Treffen zu fahren. Aber mit ihr macht nicht nur das Motorradfahren Spaß, sondern auch das Leben im allgemeinen. Wollte ich nur mal los werden! :-)

  3. Ein sehr interessantes Interview. Beim Getränk Osborne musste ich schmunzeln, das trinken wir im Freundeskreis wie Wasser auf Geburtstagen usw. :)

    Beste Grüße !

    1. @ Denis:
      Wir -MF Veterano- haben bei manchen Clubs schon den Osborne in den Bestand ‚eingeführt‘ :)
      Mittlerweile ist immer genug da.
      Und die, wo’s noch nicht so ist, werden freundlich auf den richtigen Weg gebracht *grins*

  4. Ein cooles Interview. Generell eine sehr Interessante Seite. Das mit dem ins Wohnzimmer stellen, werde ich mir persönlich auch einmal überlegen.

    Kurze Frage: Weißt du zufällig inwieweit man nach einem Unfall Probleme hat mit der Schräglage? Ist das eher ein körperliches oder mentales Problem?

    Gruß Kevin

    1. Solange du keine körperlichen Handicaps behälts, ist das dann ein rein mentales Problem.
      Aber für jedes Problem gibt es eine Lösung.

      In meinem Fall hiess es schlichtweg: fahren, mehr fahren u. noch mehr fahren.
      Es dauert dennoch etwas, bis man das Vertrauen zurückgewonnen hat.
      Und ich selbst muss zugeben, dass ich nicht mehr so fahre, wie vor dem Unfall. Aber das liegt vielleicht auch an meinem Alter *zwinker*

      DLzG
      Sandra

  5. Ich habe einen alten CX500 Motor mit einer runden Glasplatte als Tisch im Wohnzimmer. Sieht richtig gut aus. Ein ganzes Motorrad kann nur besser werden :)
    LG
    Markus

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